DAS LAND, IN DEM DER SÜDEN BEGINNT
Genussurlaub auf italienisch: das Trentino liegt näher als Frankfurt am Main
Dreieinviertel Stunden. Das sind 195 Minuten, oder 11.700 Sekunden. Kein Wimpernschlag, aber auch keine Ewigkeit. In dreieinviertel Stunden können Sie drei CDs hören, zwei Fußballspiele samt Nachspielzeit ansehen, Ihre Wochenend-Einkäufe erledigen – oder in eine andere Welt reisen. In eine Welt, in der der Caffé besser schmeckt als an irgendeinem anderen Ort, den Sie kennen. In eine Welt, in der die Sonne an acht von zehn Tagen scheint – und das ist eine Statistik, der Sie ausnahmsweise vertrauen dürfen. In eine Welt voller Genuss. Ins Trentino – dem Land, in dem der Süden beginnt.
Rund dreieinviertel Stunden brauchen Sie mit dem Auto, um von München aus Trento zu erreichen, die ebenso stolze wie lässige Kapitale der italienischen Provinz Trentino. Nur 335 Kilometer sind Sie unterwegs, 60 Kilometer weniger als von München nach Frankfurt am Main, um nach der Fahrt durch Bayern, Tirol und Südtirol plötzlich die imaginäre Cappuccino-Grenze zu überqueren und mitten in Italien anzukommen, in „La vera Italia“, im echten Italien. Im Süden, fast noch im Norden. Wir wissen natürlich nicht, was sich der liebe Gott gedacht hat, als er das Trentino erschuf. Aber er muss sich in geradezu verschwenderisch guter Laune befunden haben.
Vielleicht hat er am Vormittag die majestätischen Giganten der Dolomiten auf das Land geworfen, für viele das schönste Gebirge der Welt, mit der 3.343 Meter hohen Marmolada, der Königin der Dolomiten, als krönendem Abschluss. Und als er sah, dass es gut war, sehr gut sogar, fügte er am Nachmittag, fast schon euphorisch, die 297 Seen hinzu, denen das Trentino heute seinen Beinamen „Italiens kleines Finnland“ verdankt.
Zunächst ließ er sich den Gardasee einfallen, den er listig nach dem Vorbild des Mittelmeers modellierte, dann den Lago di Caldonazzo, den Lago di Levico und die vielen anderen kristallklaren Gewässer. Und weil danach immer noch Zeit blieb, schließlich arbeitete er sorgfältig, aber schnell, schuf er auch noch die Pflanzenwelt des Trentino, den Wein, die unzähligen Oliven- und Apfelbäume, die Zypressen, die Zitronenbäume und die weitläufigen Wälder und Parks, wegen derer heute rund ein Viertel der gesamten Fläche des Trentino unter Naturschutz steht.
Dann war Abend, und Gott wusste, dass ihm ein kleines, aber feines Meisterwerk gelungen war. Ein fröhliches, buntes und lebendiges Meisterwerk, das er wohl nicht zufällig in Form eines federleichten Schmetterlings auf die Erde legte, mit zwei aufgeklappten Flügeln, und mit dem Fluss Adige, der Etsch, als Lebensader in der Mitte. Und ein ungewöhnliches Meisterwerk, ein Gebirgsland mit dem Flair des Südens. Was für eine zauberhafte Idee!
Unendlich viele Jahre später vollendete der Mensch das Werk. Er baute prächtige Häuser und Paläste, Burgen und Schlösser.
Und er formte das Trentino mit seinen typisch italienischen Momenten, wie wir es heute kennen. Eine Region mit 1001 Freizeitmöglichkeiten, vom Wassersport am Gardasee bis zum Radfahren im Etschtal, wo Sie auf einem 82 Kilometer langen Radwanderweg nur 45 Meter Höhenunterschied zu bewältigen haben. Vom Wandern im Val di Sole bis zum Skifahren auf der Paganella-Hochebene und dem Verwöhnprogramm in den Thermen des Valsugana.
Aber was wäre ein Genuss für alle Sinne ohne gutes Essen und Trinken? Auch hier haben die Menschen des Trentino ihren Einfallsreichtum bewiesen – zum Beispiel mit dem blumigen Marzemino-Rotwein, den schon Mozart im „Don Giovanni“ mit dem Ausruf „Eccelente Marzemino!“ pries.
Mit dem süßen Vino Santo, dem „heiligen Wein“ der Trentiner, der mindestens drei Jahre reifen muss und für dessen Produktion es wahrlich die Geduld eines Heiligen braucht. Oder mit dem perlenden Spumante Trento D.O.C., einem von nur zwei Schaumweinen der Welt mit dieser kontrollierten Ursprungsbezeichnung.
Und dann das Essen! Ein ganzes Land, al dente! Ob Almkäse, Polenta oder Wurstspezialitäten wie die typische Salami Lucanica Trentina, ob traditionell hausgemachte Pasta, das gepökelte Rindfleisch Carne salada oder ein Strudel aus den famosen Äpfeln des Val di Non – im Trentino verschmilzt die Küche des Mittelmeers mit den Gourmetprodukten aus den Bergen.
Ein feiner kulinarischer Glücksfall.
Ja, es gibt vielleicht keine schönere Idee, um dreieinviertel Stunden zu verbringen, als ins Trentino zu reisen und dort einen (ent)spannenden Genuss-Urlaub zu verbringen.
Einen Urlaub auf den Flügeln eines Schmetterlings.
Trentino-Klicks
Offizielle Seite: www.visittrentino.it
Das Wetter: www.meteotrentino.it
■ Einwohner: 507.000 (Zum Vergleich Oberbayern: 4,3 Millionen)
■ Fläche: 6.212 km2 (Oberbayern: 17.529)
■ Bevölkerungsdichte: 81,6 Einwohner je km2 (Oberbayern: 245)
■ Hauptstadt: Trento (112.000 Einwohner)
■ Entfernung München – Trento: 335 Kilometer
■ Landessprache: Italienisch
■ Höchster Berg: Cevedale (Ortlergruppe, 3.764 Meter)
■ Größter See: Gardasee (370 km2, gemeinsam mit Venetien und der Lombardei)



Subscribe